Eine Autorin hat ein Buch mit einem Eintrag für jeden Tag von einem Sprachmodell entwerfen lassen und die 366 Einträge anschliessend Szene für Szene gegen ein unabhängiges Belegkorpus gehalten. Als Vorgabe erhielt das Modell eine Schablone, zwei Beispieltage und je ein Zitat pro Tag – die Unterlagen über ihr Leben lagen ihm nicht vor. Autorin und beschriebene Person sind dieselbe.
354 der 366 Tage bestanden die Prüfung nicht, 96,7 Prozent, mit einem Vertrauensbereich von 94,4 bis 98,1 Prozent. Für zwölf Tage liess sich eine Szene bestätigen; 19 Tage, 5,2 Prozent, behaupten etwas, dem die Unterlagen widersprechen. Häufigster Fehler war nicht die freie Erfindung, sondern die Mischung: echte Personen, echte Arbeitgeber, echte Orte in Szenen, die es nicht gab – wie hoch dieser Anteil genau ist, schwankt allerdings je nach Bewertung.
Die Wiederholung mit aktuellen Modellen und denselben Vorgaben ergab eine Fehlerquote von 100 Prozent. Lagen die Unterlagen der beschriebenen Person dem Modell vor, sank sie deutlich – blieb aber bei 83,3 Prozent.
Die Arbeit ordnet ihren eigenen Massstab ein: Das vierstufige Raster trennt die mittleren Stufen nur mässig verlässlich, die Kernzahl hielt einer unabhängigen Zweitbewertung aber stand. Es bleibt ein Einzelfall, ein Leben, eine Erhebung – was die Zahl nicht belegt, ist ein Durchschnitt für andere Texte.
Für die Region
Wer eine Vereinschronik oder eine Jubiläumsschrift entwerfen lässt, liefert besser die Belege mit – und prüft danach trotzdem jede Szene selbst nach.