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Goldbacher Bote

Schattenseiten

Wenn niemand das Nachprüfen sieht

Symbolbild · Grafik: Daisy Dietrich

Ob die Hilfe eines Modells einer Gruppe nützt oder schadet, hängt einer Arbeit aus dem Bereich Computer und Gesellschaft zufolge weniger an der Genauigkeit des Modells als daran, ob die Leute es im richtigen Moment kontrollieren: vertrauen, wenn es recht hat, prüfen, wenn nicht. Bisher wurde dieses Verhalten meist an einzelnen Nutzenden untersucht. Die Arbeit rechnet es stattdessen als Vorgang einer ganzen Gruppe durch.

Gerechnet wird eine Wiederholung: Wer vor einer Aufgabe sitzt, löst sie selbst, übernimmt die Antwort des Modells oder prüft sie nach – und passt danach seine Einschätzung der Modellgüte an. Sind die Beteiligten miteinander verbunden, lernen sie zusätzlich von den anderen. Vier Befunde hält die Arbeit fest.

Erstens setzt die Umgebung den Ausgangswert: Schwierigkeit der Aufgabe und Güte des Modells legen fest, wie stark sich eine Gruppe verlässt. Zweitens erzeugt das Lernen voneinander Übereinstimmung, nicht Überverlass – die Vernetzung verschiebt das Gesamtbild nur dann, wenn mit ihr auch Überzeugungen übertragen werden. Drittens kippt sichtbarer, ungeprüfter Gebrauch die Sache: Wer sieht, dass andere nicht nachprüfen, prüft selbst weniger, und die Gruppe verlässt sich am Ende gemeinsam zu sehr. Viertens lässt sich genau das umkehren, indem das Nachprüfen sichtbar gemacht oder die Wirkung des Vorbilds gedämpft wird.

Beobachtet wurde dabei niemand. Die Arbeit rechnet ein Modell durch; dass sich ein Kollegium, ein Vorstand oder eine Belegschaft so verhält, belegt sie nicht.

Für die Region

Für eine Schule, einen Verein oder ein Gewerbe hier heisst das: Wer will, dass nachgeprüft wird, muss das Nachprüfen sichtbar machen – sonst richtet sich jede und jeder danach, wie bequem es die anderen halten.

Urteil Nachprüfen.

Erschienen in der Ausgabe vom Freitag, 21. August 2026.