Der 14. April 1798 kostete das Emmental eine Burg und brachte ihm eine Behörde. An diesem Tag brannte Brandis. Damit endete auch die Landvogtei dieses Namens: Lützelflüh wurde dem Amt Trachselwald zugeteilt, und die Einwohnergemeinde, die es heute noch gibt, nahm ihren Anfang.
Bis dahin war es ein langer Weg. Die ältesten Schriftstücke, die von den Freiherren von Lützelflüh berichten, werden auf die Zeit um 1130 datiert – genauer wird die Quelle nicht. Ihr Sitz war der Kern, aus dem das Dorf wuchs, und ihre Herrschaft reichte damals über beinahe das ganze Gebiet, das heute Emmental heisst. Ab 1230 sassen dort nicht mehr sie, sondern die Freiherren von Brandis, die sich eine eigene Burg errichteten – zwischen den Dörfern Lützelflüh und Rüegsau.
Diese Burg hatte danach viele Herren. 1455 kaufte sie das bernische Adelsgeschlecht von Scharnachtal; danach ging sie durch Verkäufe und Erbgänge weiter, bis die Stadt Bern sie 1607 übernahm. Von da an war Brandis eine bernische Landvogtei. Franz Ludwig May sollte ihr letzter Vogt bleiben.
Älter als die Gemeinde ist auch ihr Name. Für das Jahr 1225 ist die Form «Lucelfluo» überliefert. Nach dem Lexikon der schweizerischen Gemeindenamen geht er auf zwei althochdeutsche Wörter zurück: «luzzil» heisst klein, «fluoh» bezeichnet eine hervorstehende, steil abfallende Felswand. Gemeint war also nicht das Dorf, sondern die Gegend – bei den kleinen Flühen. Erst später ging der Name auf die Siedlung über.
Für die Region
Wer heute eine Mitteilung der Einwohnergemeinde Lützelflüh in die Hand nimmt, hat es mit einer Verwaltung zu tun, die es ohne diesen Brand nicht gäbe. Und wer zwischen Lützelflüh und Rüegsau unterwegs ist, kommt an der Stelle vorbei, an der die Burg einmal stand.