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Goldbacher Bote

Geschichte

Vom Emme-Hochwasser 1837 blieb eine Erzählung, keine Zahl

Symbolbild · Grafik: Daisy Dietrich

Auf ihren 82 Kilometern läuft die Emme durch Lützelflüh, Rüegsauschachen, Burgdorf und Kirchberg, bevor sie im Kanton Solothurn in die Aare geht. Für den Normalfall nennt der abgerufene Artikel eine Zahl: Bei der Mündung führt der Fluss im Mittel rund 20 Kubikmeter Wasser pro Sekunde.

Der Ausnahmefall hat ebenfalls eine Zahl, und sie ist gut dreissigmal so gross. Als maximale Wasserführung stehen dort über 650 Kubikmeter pro Sekunde, dazu ein konkreter Wert: 662, gemessen am 8. August 2007 an der Messstation Wiler bei der Limpachmündung.

Das Hochwasser aber, an das im Emmental erinnert wird, hat keine solche Zahl. Es fiel auf den 13. August 1837.

Wie schnell das geht

Wie eine Emme-Flut entsteht, führt der Artikel an einem jüngeren Fall vor. Am 24. Juli 2014 fielen örtlich bis zu 100 Liter Regen auf den Quadratmeter, innerhalb weniger Stunden. Bei Emmenmatt stieg der Abfluss danach von rund 24 Kubikmetern pro Sekunde auf mehr als 420.

Der Vergleichswert im selben Satz lautet 20 – so viel gilt dort als Normalabfluss. Ausgangswert und Normalwert sind also nicht dieselbe Zahl; die Abweichung von vier Kubikmetern löst der Text nicht auf. Am Ausmass ändert das wenig: Es ist gut das Siebzehnfache.

Der Auslöser liegt weit oben. Gewitter über dem Quellgebiet zwischen Hohgant und Augstmatthorn können im Emmental eine Flutwelle auslösen. Der Artikel führt dafür ein eigenes Wort: Anschutz.

Wo die Messreihen anfangen

Für 1837 lässt sich nichts dergleichen nachschlagen. Die Belegangaben des Artikels nennen für die Messstelle Emmenmatt Abflussdaten der Spanne 1918 bis 2020, für Wiler bei der Limpachmündung 1922 bis 2020 und für Eggiwil, Heidbüel 1975 bis 2020.

Die früheste dieser drei Reihen beginnt 81 Jahre nach dem August 1837. Was der Fluss damals führte, steht in keiner davon.

Was stattdessen überliefert ist

Der Artikel verweist stattdessen auf einen Text. Eine Erzählung aus der Feder von Jeremias Gotthelf, betitelt «Die Wassernot im Emmental», schildere jenes Ereignis. Zu den grössten bekannten Hochwassern rechnet der Artikel es zugleich.

Hinter dem Namen steht Albert Bitzius, geboren am 4. Oktober 1797 in Murten, gestorben am 22. Oktober 1854 in Lützelflüh. 1831 kam er als Vikar in die Pfarrei Lützelflüh, ein Jahr später wurde er dort zum Pfarrer gewählt. Im August 1837 war er also im Amt, im Dorf am Fluss. 1835 wurde er zudem zum Schulkommissär für die 18 Schulen von Lützelflüh, Rüegsau, Hasle und Oberburg gewählt.

Die Werkliste im Artikel über ihn führt den Titel mit der Jahrzahl 1838 – und mit einer anderen Schreibweise als der Artikel über den Fluss: «Wassernoth» mit h. Welche der beiden die des Erstdrucks ist, geht aus den abgerufenen Texten nicht hervor. Über den Inhalt der Erzählung sagen sie ebenfalls nichts, ausser dass sie das Hochwasser schildert.

Und was danach gebaut wurde

Folgen hatte das Ereignis nach Darstellung des Artikels nicht nur auf dem Papier. Dieses und weitere Hochwasser hätten dazu geführt, dass die Emme im 19. Jahrhundert über weite Strecken in ein festes Bett gelegt und links wie rechts mit aufgeschütteten Dämmen versehen wurde.

Welche Abschnitte das betraf und in welchen Jahren gebaut wurde, führt der Text nicht aus.

Für die Region

Wer heute in Lützelflüh über die Emme geht, wechselt zwischen zwei Dorfhälften: Das Oberdorf liegt am rechten Ufer, das jüngere Unterdorf am linken. Übergänge gibt es auf dem ganzen Lauf rund siebzig; von den fünfzehn gedeckten Holzbrücken stehen acht unter Denkmalschutz.

Und der Fluss macht inzwischen mit dem umgekehrten Problem von sich reden. 2018 lag das Bett stellenweise trocken. 2022 kamen Dürre und Hitze und dazu, am 4. Juli, ein Hochwasser; beides setzte den Fischen zu. Seit 2023 gilt deshalb oberhalb der Ilfismündung – die Ilfis trifft bei Schüpbach und Langnau ein – vorerst für drei Jahre ein Fischereiverbot. Und in der Dürre dieses Jahres wurden Zehntausende Fische aus austrocknenden Abschnitten in andere Gewässer umgesiedelt.

Gebaut wurde im 19. Jahrhundert gegen zu viel Wasser. Das Problem dieses Jahres war das andere.

Erschienen in der Ausgabe vom Mittwoch, 26. August 2026.