Eine Auswertung aus dem Bereich Computer und Gesellschaft hat 10’211 eingehende Betrugs- und Werbeanrufe untersucht: 913 Stunden Ton, 330’956 abgeschriebene Gesprächszüge, 5’780 verschiedene Absendernummern, gesammelt in 54 Tagen. Abgenommen hat ein automatischer Telefondienst, der die Anrufenden am Reden hielt. Die Auswertung trennt den eigentlichen Betrug, der sensible Angaben abfragt, vom grösseren Strom aufdringlicher, aber legaler Adressbeschaffung.
Das Geschäft hält Bürozeiten ein: An einem Werktag gehen der Auswertung zufolge 6,6-mal so viele Anrufe ein wie an einem Wochenendtag. Hinter Tausenden von Wegwerfnummern steckt ein kleiner Vorrat wiederverwendeter Skripte – dreissig Muster für den Gesprächsanfang, auf die fünf häufigsten entfällt die Hälfte des Verkehrs. Gefragt wird vor allem nach Wohnadresse und Geburtsdatum, deutlich häufiger als nach Zahlungsdaten; das Mittel ist Beharrlichkeit und vorgetäuschte Amtsautorität, nicht die offene Drohung.
Wer abnimmt, ändert wenig
Für den Kern der Untersuchung trug jeder ausgelegte Kontakt zufällig eine von zehn erfundenen Identitäten. In 1’823 solchen Anrufen wendeten die Anrufenden pro Jahrzehnt scheinbaren Alters rund 15 Prozent mehr Gesprächszüge auf. Verlangt wurde deswegen nichts anderes: In 26,3 Prozent der Anrufe fiel die Frage nach sensiblen Angaben, und dieser Anteil verschob sich mit dem Alter nicht.
Ein zweiter Versuch prüfte, wie früh sich ein solcher Anruf erkennen lässt. Aus der ersten Zeile allein liess sich das Eskalieren mit einem Kennwert von 0,72 vorhersagen, nach acht Zeilen mit 0,87. Ein einfaches Wortzählverfahren war dabei so treffsicher wie ein eigens angepasstes Sprachmodell auf dem Gerät.
Für die Region
Für Vereinskassiererinnen, Schulsekretariate und kleine Betriebe hier heisst das: Der heikle Moment ist nicht die Frage nach der Kartennummer, sondern die harmlos klingende nach Adresse und Geburtsdatum.