Eine Untersuchung hat in Südkorea 14 Gespräche geführt: mit Berufseinsteigerinnen und Berufseinsteigern an der Schwelle zur Softwareentwicklung und mit erfahrenen Entwicklerinnen und Entwicklern. Ausgangspunkt war eine Sorge, für die es bisher zwei Arten von Belegen gab – gesamtwirtschaftliche Zahlen zeigen einen Rückgang bei der Anstellung von Berufseinsteigern, kontrollierte Studien zeigen die Wirkung generativer Werkzeuge auf einzelne Arbeitsaufgaben. Wie das in Betrieben und Ausbildungsstätten tatsächlich abläuft, war wenig untersucht.
Die Auswertung beschreibt ein Grundmuster, das die Untersuchung Absorption nennt: Arbeit, die früher den Einsteigenden zufiel, wandert in Abläufe, in denen erfahrene Kräfte direkt mit dem Werkzeug arbeiten. Daraus leitet sie drei Folgen ab. Erstens fehle den Einsteigenden die mühsame Auseinandersetzung, an der sich Können bisher gebildet habe. Zweitens setze sich dieser Verlust fort, weil der Einsatz solcher Werkzeuge im Unterricht an den Hochschulen längst gemeinsam als selbstverständlich gelte.
Die dritte Folge ist die unangenehmste, weil sie den Ausweg verstellt: Erfahrene und Einsteigende nähmen die Lage unterschiedlich wahr, und deshalb könne keine der beiden Seiten die Entwicklung von sich aus korrigieren. Die Untersuchung schliesst daraus, dass nicht nur einzelne Aufgabenarten aufgesogen werden, sondern Teile jenes Wegs, auf dem die nächste Generation erfahrener Kräfte entsteht. Wer ihn erhalten wolle, müsse Unterricht, Arbeitsplatz und die Massstäbe, nach denen Einsteigende beurteilt werden, bewusst gestalten.
Für die Region
Ein Lehrbetrieb, der die einfachen Aufgaben an ein Werkzeug abgibt, muss sich nach diesem Befund überlegen, woran seine Lernenden stattdessen wachsen sollen – von selbst ergibt sich das nicht mehr.