Am westlichen Rand von Utzenstorf liegt ein Dorfteil namens Landshut, und den gleichen Namen trägt das Wasserschloss, in dem das Schweizer Museum für Wild und Jagd seine Räume hat. Wie es dazu gekommen ist, lässt sich an einer langen Reihe von Besitzern ablesen – und an zwei Kaufjahren, die vier Jahre auseinanderliegen.
Zuerst war die Grafschaft, dann der Name
Der ältere Name in diesem Winkel ist nicht Landshut, sondern Utzenstorf. Der Wikipedia-Artikel über das Schloss nennt 1009 als Jahr, in dem die Grafschaft erstmals unter der lateinischen Bezeichnung comitatus Uranestorfus erscheint. Der Artikel über die Gemeinde nennt für die erste urkundliche Nennung des Ortes zwei Jahre, 949 und 1009, und schreibt, die Grafschaft habe zum Königreich Hochburgund gehört. Welches der beiden Jahre welche Urkunde meint, sagt keine der beiden Seiten.
Die Burg selbst schreiben beide Artikel den Zähringern zu. Nach Darstellung des Gemeindeartikels errichteten sie sie im 12. Jahrhundert, wahrscheinlich dort, wo schon ein burgundischer Vorgängerbau gestanden hatte; das Wort «wahrscheinlich» steht in der Quelle. Der Name Landshut ist erst später bezeugt: 1253, in der Schreibweise Landeshuothe, hält der Artikel über das Schloss fest.
Danach kam die Burg laut dem Gemeindeartikel an ein Ministerialengeschlecht im Dienst der Kyburger, das sich von Uzansdorf nannte.
Ein Berner kauft zusammen, was verpfändet war
Gegen Ende des 14. Jahrhunderts lag die Herrschaft im Pfand. Beide Artikel beschreiben, dass Teile davon an Gläubiger der Kyburger verpfändet wurden; der Artikel über das Schloss bezeichnet die Kyburger dabei als Erben der Zähringer.
Wieder zusammengeführt hat das ein Berner: Rudolf von Ringoltingen. Und hier gehen die beiden Darstellungen auseinander. Der Artikel über das Schloss lässt ihn die verpfändeten Teile über zwölf Jahre hinweg aufkaufen, von 1406 bis 1418, und daraus die Herrschaft Landshut bilden. Der Artikel über die Gemeinde nennt dafür eine einzige Jahreszahl: 1413.
Auch was der neue Herr durfte, steht zweimal verschieden da. Die Seite über das Schloss hält fest, Landshut habe damals über sämtliche Gerichtsbarkeiten verfügt und ein eigenes Banner geführt. Die Seite über die Gemeinde schreibt das Gegenteil: Die hohe Gerichtsbarkeit habe von da an bei der bernischen Landvogtei Wangen gelegen. Beide Sätze lassen sich nicht zugleich halten, und aufgelöst wird der Widerspruch in keiner der beiden Quellen.
Zwei Kaufjahre, vier Jahre auseinander
1479 wechselte die Herrschaft erneut den Besitzer: Ludwig von Diesbach erwarb sie. Danach gelangte sie an Bern, und zwar nicht in einem Zug. Der Artikel über das Schloss trennt zwei Verkäufe: 1510 das Gericht Bätterkinden samt Aefligen und Schalunen, 1514 Utzenstorf, Wiler und das Schloss selber. Die Seite über die Gemeinde nennt für den Übergang unter die unmittelbare Berner Herrschaft nur das zweite dieser Jahre.
Aus dem alten Herrschaftsgebiet machte Bern anschliessend eine Landvogtei. Zu ihr kam nach dem Artikel über das Schloss Zielebach dazu; der Gemeindeartikel zählt für die Landvogtei Landshut neben Utzenstorf Bätterkinden, Wiler bei Utzenstorf und Zielebach auf. Der Landvogt sass im Schloss.
Umgebaut, verkauft, umgebaut
Am Gebäude wurde in dieser Zeit gearbeitet: Zwischen 1624 und 1630 wurde das Hauptgebäude umgebaut.
1798 ging das Schloss in private Hände. Rudolf Niklaus von Wattenwyl erwarb es und nutzte es für sich. Was in jenem Jahr aus der Landvogtei wurde, geben die abgerufenen Seiten nicht her. Von 1812 bis 1815 gab er dem Bau eine neue Gestalt: einen Landsitz nach romantischem Geschmack, entworfen von Ludwig Friedrich Schnyder (1768–1823), einem Architekten aus Bern. In denselben Jahren entstand ringsum ein Park nach englischem Vorbild; die Pläne dafür lieferte Rudolf Samuel Karl von Luternau (1769–1849).
Aus einer Sammlung wird ein Museum
1959 kam das Schloss zurück an den Kanton Bern. Er brachte darin die jagdgeschichtliche Sammlung von René La Roche-Ringwald unter, dem Sohn des Sammlers Louis La Roche. Daraus entstand von 1968 an ein Museum, das damals Schweizerisches Museum für Jagd und Wildschutz hiess und heute Schweizer Museum für Wild und Jagd heisst. Angeschlossen ist ihm die Schweizerische Jagdbibliothek.
Für die Region
Wer heute am westlichen Dorfrand von Utzenstorf am Schloss vorbeigeht, steht vor einem Bau, an dem zweimal gründlich gearbeitet wurde: zwischen 1624 und 1630 und noch einmal zwischen 1812 und 1815. Den Namen teilt er mit dem Dorfteil ringsum. Ein Kunstführer der Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte, 2020 von Jan Straub und Peter Bannwart verfasst, trägt Landshut im Titel als das letzte Wasserschloss im Kanton Bern. Nachlesen lässt sich das im abgerufenen Artikel nur als Buchtitel; geprüft haben wir die Aussage nicht.