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Geschichte

Warum das Schloss Sumiswald Spittel heisst

Symbolbild · Grafik: Daisy Dietrich

Das Schloss Sumiswald trägt bis heute einen zweiten Namen: Spittel. Er ist kein Übername, sondern die Aufgabe, mit der das Haus angefangen hat.

Im Jahr 1225 übergab Freiherr Lütold von Sumiswald dem Deutschritterorden zwei Kirchen – die von Sumiswald und die von Dürrenroth – sowie Alpen am Nordhang des Napfs. Daran hing eine Bedingung, die der Rundgang der Gemeinde so wiedergibt: In Sumiswald sollten stets zwei Priester bleiben, und in einem Spital, das erst noch zu bauen war, sollten Arme, Kranke und Pilger Aufnahme finden. Spittel kommt von Spital, und dabei ist es geblieben.

Der Wikipedia-Artikel über das Schloss nennt dasselbe Jahr und ebenfalls die Auflage, ein Hospital einzurichten; er schreibt den Namen des Stifters allerdings mit h, Lüthold, wo die Gemeinde Lütold schreibt.

Für Sumiswald ist 1225 auch sonst ein Datum. Nach dem Wikipedia-Artikel über die Gemeinde erscheint der Ortsname in jenem Jahr zum ersten Mal in einer Urkunde, in der Form Suomoldeswalt.

Wer gebaut hat, ist offen

Beim Bau selbst gehen die Darstellungen auseinander. Die Gemeinde schreibt ihn dem Orden zu: Er habe über der Grünen, auf einem Nagelfluhfelsen, ein Schloss mit Kapelle und einem landwirtschaftlichen Gutsbetrieb errichtet. Der Wikipedia-Artikel über die Gemeinde spricht dagegen von einer Burg, die 1225 gestiftet worden sei – also von etwas, das schon stand. Aufgelöst wird das in keiner der beiden Darstellungen.

Wo das Gebäude liegt, halten beide Wikipedia-Artikel gleich fest: ein Stück abseits des Dorfes.

Hundert Jahre Landvogtei

1530 zog der Staat Bern nach Darstellung der Gemeinde den Besitz des Ordens ein. 1698 kaufte Bern dem Orden dann die Herrschaft Sumiswald ab und schickte bis 1798, als die Landvogtei aufgehoben wurde, 19 Vögte dorthin. Diese hundert Jahre über war das Schloss der Mittelpunkt der Landvogtei Sumiswald; der Wikipedia-Artikel über das Schloss nennt für den Sitz der Landvogtei dieselben beiden Jahreszahlen.

Wie sich das Einziehen von 1530 zum Kauf von 1698 verhält, sagt die Quelle nicht. Sie stellt die beiden Vorgänge nebeneinander.

Für dieselbe Zeit nennt der Wikipedia-Artikel einen Brand: 1730. Danach liess der Staat Bern neu bauen, ausgeführt hat es Niklaus Schiltknecht. Was heute dort steht, ist nach dieser Darstellung jener Neubau.

Wieder ein Haus für Kranke

1812 kam das alte Ordensschloss an die Gemeinde Sumiswald. Sie richtete darin ein Gemeindespital ein, die sogenannte Armen- und Arbeitsanstalt. Später wurde im Haus eine Notfallstation betrieben – nach Darstellung der Gemeinde, die sich auf Marta Meyer-Salzmanns Buch über die Geschichte der Medizin im Emmental stützt, eine der vier ersten im Kanton Bern.

Zuletzt war ein Altersheim im Gebäude. Am 4. Mai 2016 hielt der Gemeinderat in einer Mitteilung fest, die Alterszentrum Sumiswald AG sei ausgezogen; der Vertrag ende Ende Juni desselben Jahres endgültig. Zwei Jahre lang hatte sich der Rat zuvor mit der Frage befasst, was mit der Liegenschaft geschehen solle. Im November 2015 schrieb er sie öffentlich zur Miete aus; über zwanzig Interessenten meldeten sich. Auch der Kanton Bern sah sich das Haus Anfang 2016 an und nahm wieder Abstand, weil es sich nicht eignete.

Drei Wege blieben in der engeren Wahl: verkaufen oder vermieten, ein Asylzentrum des Kantons, oder das Gebäude selber brauchen. Der Gemeinderat entschied sich für das Letzte. Vorgesehen war, Abteilungen der Gemeindeverwaltung und weitere Institutionen auf drei Etagen unterzubringen, dazu eine Dienstwohnung im Erdgeschoss; zwei Wohnungen im vierten Stock nannte die Mitteilung als Möglichkeit. Das letzte Wort über die endgültige Nutzung, schrieb der Rat, werde die Bevölkerung haben.

Für die Region

Wer heute abseits des Dorfs an dem Bau über der Grünen vorbeikommt, sieht ein Haus, dessen Name eine Bedingung aus dem Jahr 1225 festhält. Was seither darin geschieht, beschreiben die beiden Quellen verschieden: Der Wikipedia-Artikel hält fest, die Gemeinde nutze das Gebäude nach dem Auszug des Altersheims für verschiedene Zwecke; der Rundgang auf der Website der Gemeinde beschreibt weiterhin ein Pflegeheim. Wie die Mitwirkung von 2016 ausgegangen ist, geben die abgerufenen Seiten nicht her.

Erschienen in der Ausgabe vom Sonntag, 23. August 2026.