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Goldbacher Bote

Geschichte

Fünf Nonnen verliessen 1528 das Kloster Rüegsau

Symbolbild · Grafik: Daisy Dietrich

Wer in Rüegsau die Dorfkirche betritt, steht in einer Klosterkirche. St. Johann gehörte einem Benediktinerinnenkloster, und dieses Kloster hat ein Enddatum: 1528, im Jahr der bernischen Reformation, verliessen die letzten fünf Nonnen das Haus. Sie hatten vorher eine finanzielle Entschädigung erhalten.

Wer es gegründet hat, ist nicht gesichert. Die Quelle hält es für wahrscheinlich, dass Rüegsau – wie das Kloster Trub – auf Thüring von Lützelflüh zurückgeht und in der ersten Hälfte des 12. Jahrhunderts entstand; eine Jahreszahl nennt sie dafür nicht. Belegt sind zwei spätere Spuren: Urkundliche Hinweise auf das Kloster gibt es von 1256 und von 1274. Untergeordnet war das Haus dem Abt von Trub.

Ein Hof, ein Weinberg, rund hundert Grundstücke

Der Besitz des Klosters lag weit auseinander. Genannt sind als Beispiele ein Rebberg in Le Landeron und ein Hof in Walterswil. Und der Besitz wuchs: Um 1500 zählte er rund hundert Höfe und Landstücke.

1495 fiel das Klostergebäude einem Feuer zum Opfer; der Wiederaufbau kam zustande, weil die bernische Obrigkeit eine Spendenaktion bewilligte. Damals wurde auch eine kleine Glocke gestiftet; sie hängt heute in der Kirche Rüegsau.

Was aus dem Vermögen wurde

Drei Jahre vor der Reformation heiratete eine der Nonnen den Adeligen Thüring von Wintersei. Mit den fünf Frauen, die 1528 gingen, war der Konvent zu Ende.

Aus dem Vermögen des ehemaligen Klosters wurden von da an die Pfarrer von Rüegsau und von Lützelflüh bezahlt. Ein Teil der Klostergebäude wurde zum Pfarrhaus umgenutzt, die übrigen verschwanden nach und nach. Die letzten Mauerreste räumte man zwischen 1825 und 1831 weg.

Die Klosterkirche wurde zur Dorfkirche und hat seither mehrere Umbauten erlebt: eine Renovation 1789 bis 1790, einen Anbau 1874, weitere Renovationen 1947, 1990 und 1999. Zur Ausstattung der Kirche gehören Glasfenster von Walter Loosli, den die Quelle als zeitgenössischen Künstler nennt.

Für die Region

Was vom Kloster ausgegraben wurde, liegt nicht in der Kirche, sondern im Kirchgemeindehaus Rüegsauschachen. Dort steht eine kleine Ausstellung mit Funden aus drei Grabungskampagnen: einer im Jahr 1964, einer von 1965 bis 1968 und einer von 1978 bis 1979. Zu sehen sind glasierte Ofenkacheln, Keramikscherben, Werkzeug und Bruchstücke eines Reliquienkästchens. Gefunden wurde bei den Grabungen ausserdem eine Marienstatue aus der Zeit des Klosters; eine Kopie davon steht neben der Kirche bei der Aufbahrungshalle.

Zum Kloster gehörte ausserdem die Kapelle St. Blasius im benachbarten Rüegsbach. Sie steht noch, und ihre Glocken sind nach Darstellung der Quelle die ältesten Kirchenglocken der Schweiz – aus dem 12. und dem 13. Jahrhundert.

Wer mehr sucht als einen Überblick: Als Literatur führt die Quelle einen Aufsatz von Hans Würgler über das Benediktinerinnenkloster Rüegsau an, erschienen 1962 in der Berner Zeitschrift für Geschichte und Heimatkunde, sowie dessen Heimatkunde von Rüegsau von 1965.

Erschienen in der Ausgabe vom Samstag, 22. August 2026.