Wer Betrugsanrufe in grosser Zahl führen will, brauchte bisher Menschen, die am Telefon sitzen. Genau das war die Bremse. Eine Untersuchung aus dem Bereich Computer und Gesellschaft hält fest, dass synthetische Stimmen und Sprachmodelle diese Bremse verkleinern: Solche Anrufe lassen sich automatisieren.
Befragt wurden 4100 Erwachsene in den USA, dazu kamen zwölf ausführliche Gespräche. Vorgelegt wurden Tonaufnahmen oder Abschriften erfundener Betrugsgespräche, erzeugt mit mehreren bekannten Stimmsystemen, dazu jeweils eine menschliche Vergleichsfassung. Über fünf Betrugsmuster hinweg lag der Anteil jener, die der Aufforderung folgen würden oder könnten, bei 16,5 Prozent. In der Kategorie, welche die Untersuchung «Verwandter in Not» nennt, waren es bis zu 36 Prozent.
Am besten liess sich die Bereitschaft mitzumachen daran vorhersagen, wie überzeugend die anrufende Stimme wirkte. Einzelne Systeme erreichten dabei Bewertungen wie menschliche Stimmen, eines davon lag der Untersuchung zufolge teils leicht darüber. Der eigentliche Befund ist aber eine Rechnung: Von Menschen geführte Betrugsanrufe lohnen sich bei US-Löhnen nicht, automatisiert geführte erscheinen für mehrere der geprüften Systeme wirtschaftlich tragfähig. Das Risiko liegt damit in der Ökonomie der Automatisierung, nicht in übermenschlicher Überredungskunst – für künftige Systeme schliesst die Untersuchung das Zweite allerdings nicht aus.
Für die Region
Für einen Verein, eine Schule oder ein Gewerbe hier heisst das: Ein Anruf, der Dringlichkeit erzeugt und zu einer Handlung drängt, wird eher häufiger als seltener, und eine vertraute Stimme am anderen Ende ist kein Beweis mehr – auflegen und über eine bekannte Nummer zurückrufen kostet nichts.