Am Anfang der Arbeit steht eine Sorge: Generative KI könnte die Deutung von Kunst vereinheitlichen, bis alle dasselbe über ein Bild sagen. Eine auf dem Preprint-Server arXiv veröffentlichte Untersuchung stellt deshalb die Gegenfrage – ob ein Gespräch mit einem Sprachmodell auch mehrere kunstgeschichtliche Erzählungen nebeneinander tragen kann.
Der Versuch heisst Sanyu Studio. Er behandelt 321 Ölbilder Sanyus je als eigenes Gegenüber, ausgestattet mit Mechanismen für Fakten, Deutung, Ordnung und für das Filtern des Gedächtnisses. Ausgewertet wurde eine siebentägige Werkstatt mit acht Teilnehmenden einer Kunsthochschule.
Was dabei herauskam, hing an den Menschen: Ihre Eingaben, die Art, wie sie ihre Belege ordneten, und ihre Denkgewohnheiten führten zu Fassungen eines digitalen Sanyu, die voneinander abwichen und dennoch in sich stimmig blieben. Die Autoren lesen das als Hinweis darauf, dass KI dort, wo die historischen Belege dünn sind, den Spielraum der Menschen vergrössert und dem Publikum einen Einstieg in die Deutung eröffnet. Ein Beweis ist eine Werkstatt mit acht Personen nicht.
Für die Region
Für ein Museum oder einen Kulturverein im Emmental heisst das: Ein solches Gespräch am Bildschirm ersetzt die Vermittlung nicht, kann aber ein Publikum an eine Sammlung heranführen, das von selbst nicht danach gefragt hätte.